Eine STADT. Ein BUCH.

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Ruth Klüger, Weiter leben. Eine Jugend, 19.-24. November 2008

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Liebe Wienerinnen, liebe Wiener, liebe Leser!


Ich freue mich, Ihnen im Rahmen der Aktion „Eine STADT. Ein BUCH.“  heuer Ruth Klügers außergewöhnlichen Erinnerungsband „weiter leben. Eine Jugend“ vorstellen zu dürfen. Die Autorin schildert darin nicht nur das Entsetzliche der Nazizeit, sondern reflektiert auch darüber, wie sie selbst Jahre später als Überlebende des Holocaust wahrgenommen wurde. Dadurch ist ihr Buch doppelt aktuell. Erklärtermaßen ging es Ruth Klüger nämlich nicht nur darum, ihr Schicksal als unerwünschte Person in Wien und als KZ-Gefangene aufzuzeichnen. Sie, die später in den USA als Professorin für Germanistik Karriere gemacht hat, stellt immer wieder die Frage: Wie gehe ich selbst und wie gehen meine Mitmenschen mit dem Unfassbaren um.
Als Hitler in Wien einmarschierte war Ruth Klüger sieben Jahre alt, lag mit einer Halsentzündung im Bett und hörte die Sprechchöre der Nazis in der Neubaugasse. Mit „weiter leben. Eine Jugend“ kehrt „Eine STADT. Ein BUCH.“  zu einem Thema zurück, das bereits mehrmals Gegenstand dieser literarischen Aktion war. Schon das Debüt von „Eine STADT. Ein BUCH.“ 2002 – Frederic Mortons „Ewigkeitsgasse“ – endete mit der Flucht einer jüdischen Familie vor Hitler, auch mit Nobelpreisträger Imre Kertész wurden Wiener Leserinnen und Leser mit dem KZ-Schrecken konfrontiert.
Nun höre ich manche fragen: Warum schon wieder dieses Thema? Ist es nicht langsam Zeit, zu vergessen? Ich meine: Nein. Auch und gerade heute ist gelebte und erinnerte Geschichte wichtig, spannend und – in Zeiten eines merkbaren Rechtspopulismus – auch über den rein informativen Gehalt hinaus bedeutsam. Denn auch heute gilt: Eine Stadt ist lebenswert, wenn sie für alle ihre Bürgerinnen und Bürger lebenswert ist – begründet in sozialem Frieden, in einer abgesicherten Existenz und in gegenseitigem Respekt.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre!

Dr. Michael Häupl
Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien